Archive for the 'Besinnliches' Category

Oct 07 2007

Reisebühne

Published by garotinho under Besinnliches

Zwei Hosen, zwei Shirts, ein Paar Schuhe, meine Flip-Flops und meine Kamera - so gehen ich und meine „garota“ durch Südamerika. Wir werden sechs Monate lang einen großen Teil dieses Kontinents bereisen. Welch ein Traum! Ja, das ist es wirklich.

Ich sehe, wie sich vor uns ein Vorhang hebt, wodurch uns die Gelegenheit gegeben wird, Natur, Ländern, Völkern und Kulturen dieses Kontinents näher zu kommen und sie kennen zu lernen. Und was noch viel besser ist, der Vorhang geht nicht nur auf und ich schaue nicht nur von der Tribüne aus zu, sondern es gibt in diesem Fall weder Tribüne noch Zuschauer - wir stehen alle auf der Bühne, auf der Bühne des Lebens. Selbst wenn wir die reine Zuschauerrolle gerne annehmen würden - was ich äußerst bezweifle. Denn der Platz auf den Zuschauerrängen ist zu winzig und zu unbequem, als dass es einem lebensbejahenden Menschen gelingen könnte, dort zu verweilen. Der Zuschauer fällt ins Leben und wird selbst zum Akteur. Und das ist gut so. Das bringt uns den Menschen und den Dingen näher.

Ein anderes keineswegs unwichtiges Argument für dieses Unternehmen, sozusagen ein Nebenprodukt dieser Reise, ist, wenn ich mich so ausdrücken darf, der Bruch mit dem Alltag. Ja, ich weiß, der Alltag kann schön sein, und er gibt uns Sicherheit. Aber gibt es denn etwas Besseres als Abwechslung? Etwas Schöneres als Änderungen und die damit verbundenen neuen Anregungen? Vor allem wenn es darum geht Dingen nachzugehen, nach denen man sich lange gesehnt hat? Allein die Vorstellung etwas zu tun, was nicht der Erwartung anderer entspricht, und im Grunde genommen uns selbst überrascht, haucht mir wieder das feurige Gefühl vom Leben in die Adern. Etwas zu tun, was nichts mit dem sich mühsam erschaffenen Alltag gemeinsam hat. Und vielleicht ist dieses Nebenprodukt gerade deswegen unser Antrieb, um Länder, Völker, Kulturen und die Natur kennen zu lernen. Dieses Gefühl des sich Mitnehmenlassens, des sich Mitreißenlassens, ja des Geschehenlassens, und dabei einfach nur zu sein. Zuschauer und Akteur in der Neuen Welt zu sein. Eine Welt, die sich dir neu eröffnet- nur dir allein für diesen ganz besonderen Zeitraum. Und alles, was zu tun ist, sei es zu organisieren, planen, reisen, fotografieren, schreiben und was auch immer, all dies ist aus deiner Idee entsprungen. Der Idee durch Südamerika zu reisen. Diesen Traum zu realisieren, hat dir niemand eingeredet, nur du selbst bist dafür verantwortlich. Du bist mitten auf der Bühne. Sie reicht so weit die Augen blicken, und ist so groß, wie die Arme greifen. Dir steht die Welt offen. Also bewege dich.

Wir wünschen uns und allen anderen, die sich gerne bewegen - sei es von Ort zu Ort, von Tag zu Tag oder von Idee zu Idee - eine gute Reise.

ent-scheidung

wer denkt
er müsse
der will nicht

- dieter roos -

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Sep 25 2007

Spuren - Huellas - Pegadas - Traces

Published by garotinha under Besinnliches

Huellas

Während einer meiner Spanienaufenthalte lernte ich einen Künstler und Philosophen kennen. Wir verbrachten einige gemeinsame Abende in Tapas-Bars und philosophierten über die Welt. Am Ende meines Aufenthaltes schenkte er mir ein Bild mit dem Namen: HUELLAS, auf Deutsch: Spuren. Er meinte, ich hätte Spuren in ihm hinterlassen. Die Hand auf dem Bild sei die Spur, die sich in seinem Innern eingraviert habe.

Ich musste nachdenken, nachdenken über meine Reisen und meine längeren Auslandsaufenthalte. Es kam mir der Gedanke, dass ich mir dort für eine kurze Zeit ein Leben aufgebaut hatte - mit Wohnung, Freunden, einer Telefonnummer, einer Lieblingskneipe in der mir der Kellner schon ohne Worte mein Lieblingsgetränk servierte. Nach meiner Abreise jedoch verblassten meine Spuren. In meiner Wohnung lebt jetzt jemand anderes, unter meiner Telefonnummer meldet sich eine fremde Person, der Platz in meiner Kneipe ist belegt von anderen Menschen. Beim Betrachten des Bildes des spanischen Künstlers wurde mir plötzlich klar, dass ich Spuren bei den Menschen, die ich traf, hinterlassen habe. Ich lebe in der Erinnerung dieser Menschen und sie werden mich wiedererkennen, sollten sich unsere Wege wieder kreuzen. Das finde ich das Schöne am Reisen und an Ortswechseln. Man nimmt für kurze Zeit teil an der persönlichen Geschichte der Menschen, die man trifft. Man hinterlässt Spuren in den Herzen und lebt somit an allen Orten weiter, die man bereist hat. Auch in Südamerika möchte ich Spuren hinterlassen. Jedoch nur jene Spuren, die in der Erinnerung der Menschen verbleiben, die ich treffen werde. Ich möchte keine Müllspuren hinterlassen und keine Spuren der Arroganz und Überheblichkeit. Deshalb versuche ich, mit Respekt den Menschen und der Natur in diesen mir fremden Ländern entgegenzutreten. Ich wünschte mir, dass dies für alle Reisenden dieser Welt als Vorsatz gälte. Denn wie oft sehe ich Touristen, die erwarten, dass sie in fremden Ländern die gleichen Dinge vorfinden wie zu Hause. Das Andere, das Fremde ist nicht gewünscht. Somit versuchen Reiseunternehmen die vertraute Welt der Touristen in fremde Länder zu transportieren, mit all den Folgen für Natur und Einheimische. In einer schweizerischen Berghütte las ich einen Spruch an die Wanderer und Besucher:

Hinterlasse keinen Müll und keinen Dreck, sondern hinterlasse nichts als Deine Spuren der Erinnerung….  

Danke Wetware für das Bild und die Gespräche

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